"Das Bewußtsein seiner selbst, nach den Bestimmungen unseres Zustandes bei der inneren Wahrnehmung,
ist bloß empirisch, jederzeit wandelbar, es kann kein stehendes oder bleibendes Selbst in diesem
Flusse innerer Erscheinungen geben, und wird gewöhnlich der innere Sinn genannt oder die
empirische Apperzeption. Das, was notwendig als numerisch identisch vorgestellt werden soll,
kann nicht als ein solches durch empirische Data gedacht werden. Es muß eine Bedingung sein,
die vor aller Erfahrung vorhergeht und diese selbst möglich macht, welche eine solche transzendentale
Voraussetzung geltend machen soll.
Nun können keine Erkenntnisse in uns stattfinden, keine Verknüpfung und Einheit derselben untereinander,
ohne diejenige Einheit des Bewußtseins, welche vor allen Datis der Anschauung vorhergeht, und worauf in
Beziehung alle Vorstellung von Gegenständen allein möglich ist. Dieses reine ursprüngliche, unwandelbare
Bewußtsein will ich nun die transzendentale Apperzeption nennen."

Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, A 107